NVR Lehrpfad

4. Lebensraum Wiese

Wie unterscheidet man eine wertvolle von einer weniger wertvollen Wiese?

Wiesen sind ein grosser Bestandteil unserer Landschaft. In ihrer Qualität in Bezug auf Biodiversität unterscheiden sie sich stark. Satt grüne Wiesen mögen für manche besonders schön aussehen. Für die meisten Tiere und Pflanzen sind sie jedoch völlig wertlos. Insekten, Vögel, Frösche und zahlreiche andere Tiere finden dort keine Narhung. Solche artenarme nährstoffreichen Vielschnitt-Wiesen sind einfach zu erkennen, denn es gibt nur wenige Pflanzenarten, die in solchen Wiesen überleben. Im Folgenden werden die wichtigsten Arten (sogenannte Zeigerpflanzen) vorgestellt mit denen man wertvolle von weniger wertvollen Wiesen unterscheiden kann.

Wenig wertvolle, nährstoffreiche Vielschnitt-Wiesen

Viele Wiesen sind heute sehr nährstoffreich werden mehrmals pro Jahr geschnitten. Es wachsen daher nur wenige konkurrenzstarke Pflanzen wie der Löwenzahn, die mit diesen Bedingungen zurecht kommen. Meist findet man daher nur 10-20 Pflanzenarten.

Man erkennt diese Wiesen oft daran, dass folgende typische Arten den grössten Teil der Wiese ausmachen:

Löwenzahn

Löwenzahn

Gänseblümchen

Gänseblümchen

Hahnenfuss

Scharfer Hahnenfuss


Wertvolle nährstoffarme Wiesen

Viel artenreicher sind Wiesen, die nur 1-2-mal jährlich geschnitten und nicht gedüngt werden. In Magerwiesen wachsen z.B. 60-70 Pflanzenarten pro Quadratmeter! Doch nicht nur Magerwiesen, sondern auch Streuwiesen wie die am Naturlehrpfad liegende, beherbergen zahlreiche Arten. In manchen Streuwiesen wachsen bis zu 100 Pflanzenarten. Heute finden wir solche wertvollen Wiesen vor allem noch an steilen Hängen oder auf besonders nassen Flächen, die landwirtschaftlich nicht genutzt werden können.

Auf diesen Wiesen findet man hunderte verschiedene Pflanzenarte. Ein paar typische Arten dieser wertvollen Wiesen sind:

Orchideen

Orchideen

Wiesen-Salbei

Wiesen-Pippau

Flockenblumen

Flockenblumen

Skabiosen und Witwenblumen

Skabiosen und Witwenblumen

Kuckucks-Lichtnelke

Wiesenknopf


Düngung und Nährstoffe - eines der grössten Probleme im Naturschutz in der Schweiz

Interessanterweise sind Wiesen mit wenig Nährstoffen viel artenreicher als solche mit vielen Nährstoffen. Um diese artenreichen Wiesen zu erhalten ist es daher zwingend nötig zu verhindern, dass zusätzliche Nährstoffe in diese wertvollen Wiesen gelangen. Doch in der heutigen Zeit sind Nährstoffe in Form von Stickstoffen und Phosphor omnipräsent und nur schwierig aus den Gebieten fernzuhalten. Die Hauptquellen sind die Landwirtschaft und der Verkehr. Es gibt zwei Hauptwege wie Nährstoffe in nährstoffarme Wiesen gelangen können:

  • Direkte Einträge durch Düngung: Durch Düngung der die Wiese umgebenden Flächen oder sogar der Wiese selber können Nährstoffe auf direktem Wege in die Wiese gelangen.
  • Stickstoffeinträge aus der Luft: Insbesondere durch die Landwirtschaft und den Verkehr werden Stickstoffe in die Atmosphäre gebracht. In der Landwirtschaft geschieht das vor allem aufgrund der Ammoniakemissionen aus der Tierhaltung. Im Verkehr sind es die Autos, die Nährstoffe in Form von Stickstoffoxiden freisetzen. Diese Nährstoffe können in der Luft mehrere hundert Kilometer transportiert werden. Diese Nährstoffe setzen sich mit der Zeit ab und gelangen so in die Landschaft und Wiesen. In manchen Regionen der Schweiz gelangen so bis zu 40 kg Stickstoff pro Jahr und pro Hektar (100 m x 100 m) in die Landschaft und damit auch die Wiesen.

Viele unserer Wiesen sind daher überdüngt. Die direkten Einträge können einfach reduziert werden in dem sogenannte Pufferzonen um wertvolle Wiesen und Naturschutzgebiete gelegt werden in denen die Düngung verboten ist. Schwieriger sieht es mit den Einträgen aus der Luft aus. Hier müssen ganzheitliche Ansätze, w.z.B. die Reduktion des Konsums von tierischen Produkten oder die Umstellung auf emissionsarme Energieträger auf nationaler Ebene gefördert werden.

Folgendes animiertes Video (6:57 min) des Bundesamts für Umwelt (BAFU) erklärt die Nährstoffproblematik schön und zeigt auch Probleme auf, die über den Schutz unserer Wiesen hinaus gehen:


Beispiele

Im folgenden finden Sie einige Beispiele besonders wertvoller Wiesen:

Extensive Wiese im Klettgau

Extensive Wiese im Klettgau (SH).


Wiese in der Drumlinlandschaft in Hinwil

Wiese in der Drumlinlandschaft in Hinwil (ZH).


Extensive Wiese bei Ardez in Graubünden

Extensive Wiese in Ardez (GR).


Mehr Informationen:

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